G-[Nameless]

Fortsetzungsgschichte. Der Rest kommt, wenn ich Zeit zum abtippen habe...

„…Und dir wird es sicher nichts ausmachen einige Tage auf Bodiam Castle zu verbringen, Hella. Deine Großmutter wird sich freuen und wir“, damit meinte meine Mutter sich selbst und ihren neuen Freund Mark, „…wir können auch ein wenig entspannen.“ Was sollte denn das heißen?! Trug ich etwa nicht zum allgemeinen Familienfrieden bei? Meine Augenbrauen zogen sich wütend zusammen. Das war nicht fair! Welche Wahl hatte ich schon? Der bloße Gedanke mir sechs Wochen Dauergeturtel reinzuziehen reichte, um mich auf und davon und direkt in die Arme meiner Großmutter zu treiben. Ich gab mich geschlagen. „Ich überleg es mir“, brummelte ich und schob in mein Zimmer ab, nicht ohne die Tür kräftig ins Schloss zu pfeffern. Dort ließ ich mich gefrustet auf meine Couch sinken und starrte trübsinnig in unseren kleinen Garten. Bodiam Castle. Sechs Wochen in einer heruntergekommenen Burg zu verbringen erschien mir nicht gerade erstrebenswert, aber wenn ich noch ein wenig verhandelte, würde meine Mutter sicherlich zulassen, dass ich eine Woche Brightonurlaub zusätzlich herausschlagen konnte. Brighton war als das größte Seebad Englands bekannt und zog gerade im Sommer eine Menge Touristen an. Zudem lag es nicht weit entfernt von Bodiam Castle. Es eignete sich also als perfektes Ziel vom Urlaub im Urlaub. Ich riss die eben zugeknallte Tür wieder auf und rief die Treppe hinunter: „Ich mach’s! Unter der Bedingung, dass ich eine Woche Brightonaufenthalt dazubekomme!“ Vor meinem inneren Auge sah ich förmlich den entnervten Ausdruck, den meine Mutter Mark zuwarf. Doch nach einigen Minuten gespannter Stille bekam ich meinen Willen.
Von da an flog die Zeit bis zu den Sommerferien nur so dahin und als ich schließlich einige Stunden vor Aufbruch meinen Kofferdeckel schloss, verbreitete sich eine heimliche Vorfreude in mir. Zugegeben hätte ich das natürlich niemals – meine Mutter sollte schließlich nicht von ihrem schlechten Gewissen erlöst werden!
Der Weg zum Flughafen gestaltete sich als recht Schweigsam. Endlich in Teminal zwei angelangt verabschiedete ich mich rasch, checkte mich ein und verschwand nach einer letzten Ermahnung und einem Kuss im Securitybereich. Ich blickte weder zurück noch nach vorne –  ich war viel zu beschäftigt damit meinen Personalausweis zurück in den Brustbeutel zu stopfen. Das ich mich dabei fortbewegte war unvermeidlich, schließlich wollte ich den anderen Reisenden nicht im Weg sein, doch meine Rücksicht erwies sich als fataler Fehler: Ich hatte keine fünf Meter zwischen mich und die Sicherheitskontrolle gebracht, als mich ein joggender Fremder über den Haufen rannte. Wir prallten seitlich aufeinander, sodass ich nach einem Sekundenbruchteil mit rudernden Armen zu Boden ging. Der Fremde ignorierte mich jedoch und rannte ohne eine Entschuldigung weiter - unbeirrt und eilig. Sauer rieb ich mir das Knie. Konnte dieser Idiot nicht aufpassen?! Dann rappelte ich mich auf und schaute auf meine Bordingkarte. Achtzehn Uhr, Gate A18? War das nicht…? Hektisch blickte ich auf meine Uhr und stellte fest, dass es bereits zwanzig nach sechs war. Verdammt! Das konnte doch nicht sein! Diese dämliche Zeitumstellung hatte ich ganz aus dem Augen verloren! Jetzt verstand ich auch, warum es der Fremde so eilig gehabt hatte! Ich nahm die Beine in die Hand und rannte nun mindestens genauso besenkt auf mein Gate zu. Bitte, bitte, lass es nicht zu spät sein, flehte ich inständig zu allen mir bekannten Gottheiten und tatsächlich. Als ich der Frau vom Bodenpersonal völlig fertig mein Ticket reichte lächelte sie mich mitfühlend an. „Das erste mal allein unterwegs?“ „Nein. Aber ich schaffe es immer wieder mich zu verspäten.“ Die Sache mit meiner Vergesslichkeit, was das umstellen von Uhren betraf brachte ich lieber nicht zur Sprache. Kurz darauf saß ich im Flugzeug, das mich nach London / Heathrow bringen würde. Von dort aus hatte ich eine zweieinhalbstündige Busfahrt zum Bodiam Castle vor mir. Der Flug verging rasch und als ich endlich im Überlandbus saß griff der Schlaf mit sanften Fingern nach mir. Ich wachte nur einmal auf, als sich jemand neben mich setzte. Dann rüttelte mich jemand. „Ich glaube, dass hier ist deine Station, junge Dame!“ Ich folgte dem Busfahrer und stand wenig später allein auf dem dunklen Parkplatz. Es war kurz nach zehn. Gähnend hielt ich mir die Hand vor den Mund und schaute mich um. Nichts. Niemand, der mich abholte, niemand, der auf mich zugestürmt kam und mich unter einer begrüßenden Umarmung begrub, niemand, der auch nur annährend wie ein Ruben aussah. Denn dieses verantwortungslose Geschöpf hätte mich eigentlich abholen sollen. Vielleicht hatte er sich ja verspätet. Ich ließ mich auf meinen Koffer nieder und begann mir die Zeit damit zu vertreiben Steinchen durch die Gegend zu kicken.
Als nach einer halben Stunde immer noch kein menschliches Wesen aufgetaucht war, wurde ich wütend – zugleich breitete sich jedoch auch ein unruhiges, mulmiges Gefühl in meinem Inneren aus. Was war, wenn sie mich vergessen hatten? Sollte ich die ganze Nacht auf meinem Koffer sitzen bleiben und auf den nächsten Bus warten, der in die andere Richtung fuhr? Und wenn sie sogar vergessen hatten, dass ich überhaupt kam?
Mit einem Mal brauste ein Auto um die Kurve und bretterte in halsbrecherischer Geschwindigkeit auf den Parkplatz. Die Fahrertür sprang auf und im grellen Schein der Scheinwerfer sah ich einen Mann auf mich zukommen…

10.6.07 13:13
 


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